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Die Geschichte der Glocken von St. Marien

 

Glockeneinholung 1925

Bereits im Ersten Weltkrieg mussten die Glocken von St. Marien zum Zweck der Metallverwendung abgeliefert werden. Sie stammten aus dem Jahr 1885 und waren als Ersatz für die beim Turmbrand 1884 zerstörten Glocken gegossen worden.

 

1925 konnte die Gemeinde vier neue Bronze-Glocken für St. Marien gießen lassen. Nur wenige Jahre später im Zweiten Weltkrieg mussten diese bereits wieder abgeliefert werden.

 

Die Glocken von St. Nikolai blieben von diesem Schicksal zunächst verschont. Die drei mittelalterlichen Glocken, darunter die große berühmte Apostelglocke von 1450, wurden aufgrund ihrer kunsthistorischen Bedeutung in beiden Weltkriegen von der Ablieferung zurückgestellt und blieben in Anklam. Nur die zwei jüngeren Glocken der Nikolaikirche von 1621 und 1650 mussten 1943 abgeliefert werden.

 

1945 waren große Teile der Stadt Anklam zerstört, die Nikolaikirche eine Ruine mit ausgebranntem Turm, St. Marien schwer beschädigt.

 

Im Herbst 1945 stürzten die drei verbliebenen mittel-alterlichen Glocken bei einem Sturm vom Turm der Nikolaikirche ab, nachdem ein Giebel des zerstörten Turmaufsatzes auf die Glockenstube einbrach.

Die beiden kleineren Glocken von 1411 und 1462 wurden dabei zerstört. Die Apostelglocke fand man in den Trümmern. Sie hatte ihre Krone verloren. Beim Brand des Turmes hatte ihr auch die Hitze schwer zugesetzt. Aber sie klang noch und wurde für die Anklamer zum großen Hoffnungszeichen.

Dass diese Glocke, die schon fast 500 Jahre über der Stadt zu hören gewesen war, den Krieg und den Absturz aus fast 50 Meter Höhe überlebt hatte, galt den damaligen Zeitgenossen nahezu als ein Wunder.

 

Die Marienkirche wurde 1947 wieder eingeweiht und die Apostelglocke fand ihren Platz in einem neuen Glockenstuhl im Turm. Um das Läuten, das zunächst per Hand geschah, zu vereinfachen und um die Statik des Turmes der Marienkirche nicht zu stark zu belasten, hängte man sie an ein stark verkröpftes Stahljoch.

Zwei weitere Glocken wurden 1947 von der Glockengießerei Schilling in Apolda aus den Resten der beiden mittelalterlichen Glocken von St. Nikolai gegossen.   

 

Für die Anklamer war das dreistimmige Geläut in St. Marien nach dem Krieg eine große Errungenschaft. Jedoch sowohl die Glocken als auch der Glockenstuhl wurden nach den Möglichkeiten von 1947 ausgeführt und konnten keine Dauerlösung für Anklam darstellen. Auch die Aufhängung der Apostelglocke verursachte zunehmend Probleme. Während der DDR-Zeit war an eine Wiederherstellung des Stadtgeläutes jedoch nicht zu denken.

 

Erst 2014 war es möglich, ein neues Geläut einzuweihen. Die Glocken von 1947 wurden aufgrund ihrer schlechten Tonqualität außer Dienst gestellt. Die kleinere von beiden verblieb als Denkmal im Turm.